Welches Potential hat die digitale Fotografie für den analog ausgebildeten fotografischen Blick? Diese Frage beschäftigt Angelica Verleger seit der Abkehr von der Arbeit in der Dunkelkammer und der Realisierung von Bildideen mit Hilfe digitaler Möglichkeiten. Dabei nutzt sie die Kamera und in der Folge den PC ohne Einsatz digitaler Optionen und Kniffe, die bekanntlich in Fülle angeboten werden. Ganz traditionell ist zunächst der „Sucher“ ihr wichtigstes fotografisches Werkzeug.
Auf bestimmte fotografische Motive ist sie nicht festgelegt. Sie sucht nicht spektakuläre Ansichten, vielmehr richtet sich ihr Blick auf die diskreten optischen Sensationen, die sie aufspürt oder denen sie zufällig begegnet. Das abbildende Moment der Fotografie wird durch ein wechselvolles Spiel mit Nähe und Distanz zum Gesehenen in Frage gestellt. Erwartete Sichtweisen werden dadurch irritiert, dass – scheinbar unbedeutende – Details jetzt zum eigentlichen Bildgegenstand werden …
Nicht konsequent nacheinander erarbeitete Werkgruppen interessieren die Fotografin, eher eine lose Sammlung von Bildern. In der Nachschau lässt sich aus einer Anzahl von Fotos eine in sich schlüssige Motivfolge ablesen.
„Mich interessiert das Spiel mit Variationen von Bildausschnitten“ fasst Angelica Verleger ihren Arbeitsansatz zusammen …
Ekkehard Neumann