
In einer Zeit der Extreme hat es der sinnsuchende Mesch in einer sinnfeindlichen
Umgebung nicht leicht. Ungewissheit und Unwissenheit scheinen gleichbedeutend mit Vergehen und Verderben. Ahnungslos und unfreiwillig sind wir den Ängsten unseres unbewussten Unterbewussten ergeben, den dumpfen Phänomenen des Seelischen unter dem Dach unseres Seins. Die gemeinsame Arbeit mit dem Titel „Unter uns“ der Künstlerinnen Pascale Feitner und Marlena Gundlach dient nicht nur als Projektionsfläche solch verborgener Vorgänge unseres Unterbewusstseins, dessen ablaufende psychische Prozesse wir nur erahnen können, sie schafft an sich schon einen Moment der Irritation und verwandelt den Wewerka Pavillon selbst zu einer sinnfeindlichen Umgebung, in welcher der Betrachtende womöglich vergeblich die Sinnhaftigkeit dieses Ortes zu ergründen sucht. Konfrontiert wird er mit einer Dach-ähnlichen Fläche auf der Ebene 0. Sie krönt weder ein Gebäude, noch steht sie frei. Sie ist vom Pavillon häuslich (oder architektonisch) eingeschlossen und bildet entgegen ihrer ursprünglichen Funktion die Bodenfläche des Pavillons. So werden die sinnhaften Strukturen sowohl des Konzeptes „Dach“ als auch des Pavillons selbst aufgelöst: Bedarf das Dach – statt selbst Schutz zu geben – einer eigenen Schutzarchitektur? Und wenn ja, warum? Welchen daruntergelegenen Ort umschließt der Pavillon und was verdeckt dieses Dach, aus dem es augenscheinlich zu leuchten und zu rauchen scheint? Eine Arbeit, die zusätzlich zu den unterschwelligen existentiellen Fragen, die uns alltäglich begleiten, noch mehr Fragen mit auf den Weg gibt, als dass sie Antworten liefert.
Wewerka Pavillon – Ausstellungsraum der Kunstakademie Münster
Kardinal-von-Galen-Ring / Annette Allee / Aasee-Uferweg