{"id":2907,"date":"2023-06-05T14:45:09","date_gmt":"2023-06-05T12:45:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tatwortimnetz.de\/Kunst\/?post_type=tribe_events&#038;p=2907"},"modified":"2023-06-05T14:45:09","modified_gmt":"2023-06-05T12:45:09","slug":"off-the-pedestals-ivan-argote-eduardo-chillida-jenny-holzer-u-a","status":"publish","type":"tribe_events","link":"http:\/\/www.tatwortimnetz.de\/Kunst\/event\/off-the-pedestals-ivan-argote-eduardo-chillida-jenny-holzer-u-a\/","title":{"rendered":"Off the Pedestals. Iv\u00e1n Argote, Eduardo Chillida, Jenny Holzer u.a."},"content":{"rendered":"<div id=\"programDetailTextBlock\">\n<div>\n<p>Den Auftakt einer programmatischen Auseinandersetzung mit dem \u00f6ffentlichen Raum bzw. Fragen von Kunst und \u00d6ffentlichkeit der Kunsthalle M\u00fcnster in der Stadthausgalerie bildet die Ausstellung <em>Off the Pedestals<\/em>, in der Werke von <strong>Iv\u00e1n Argote<\/strong>, <strong>Zauri Matikashvili<\/strong>, <strong>Joiri Minaya<\/strong> und <strong>Leila Orth<\/strong> zu sehen sein werden. Zudem werden mit Eduardo Chillidas Werk <em>Toleranz durch Dialog<\/em> (1992), das sich vor den T\u00fcren der Stadthausgalerie auf dem Platz des Westf\u00e4lischen Friedens befindet, und <strong>Jenny Holzers<\/strong> <em>B\u00e4nken<\/em> (1987), gelegen im s\u00fcdlichen Schlossgarten, zwei Kunstwerke im \u00f6ffentlichen Raum in die Ausstellung und ihre Fragestellungen einbezogen.<\/p>\n<p><em>Off the Pedestals<\/em> greift aktuelle politische wie gesellschaftliche Auseinandersetzungen mit Krieger- und Kolonialdenkm\u00e4lern auf, indem besonders damit einhergehenden Fragen nach Identit\u00e4tspolitiken und Erinnerungspraxen im \u00f6ffentlichen Raum aufgeworfen und zur Diskussion gestellt werden: Inwiefern haben sich koloniale und imperiale Macht in die Vision der wei\u00dfen und m\u00e4nnlichen Vorherrschaft, die die Denkm\u00e4ler verk\u00f6rpern, in die Erinnerungslandschaft unserer Gesellschaft eingeschrieben? Wie k\u00f6nnen und sollten wir heute mit der Heroisierung von Verbrechen aus der imperialen Vergangenheit umgehen? Welchen verk\u00f6rperten Erinnerungen steht ein Platz im \u00f6ffentlichen Raum zu und welchen nicht? Und inwieweit ist es notwendig die fortbestehenden Hinterlassenschaften zu historisieren? Die (k\u00fcnstlerische) Auseinandersetzung mit solch lang verdr\u00e4ngten Fragen bricht das Schweigen \u00fcber vergangene Verfehlungen und l\u00e4dt zu einer Diskussion ein. Es entsteht ein gesamtgesellschaftlicher Diskurs, der auch die eigene Stadtgeschichte ins Blickfeld r\u00fccken l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die Vorstellung, dass gesamte Nationen ausschlie\u00dflich sich selbst feiern und ehren, scheint aus heutiger Sicht absurd und \u00fcberholt. Um dabei der Komplexit\u00e4t von Geschichte aufgeschlossen begegnen zu k\u00f6nnen, gilt es jedoch auch andere Narrative in unser historisches Verst\u00e4ndnis zu integrieren. Denn wenn es bei Denkm\u00e4lern um Erinnerung und Geschichte geht, sollten diese dann nicht horizontale und integrative Orte markieren, an denen verschiedene Vorstellungen unserer Geschichte mit Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft diskutiert werden k\u00f6nnen? Die Gedanken und der Austausch dar\u00fcber, wie wir in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen kollektiv Erinnerung schaffen und wie auch Wunden sichtbar gemacht \u2013 oder vielleicht sogar offengehalten \u2013 werden k\u00f6nnen, bilden die Grundlage der Debatte, aus der sich auch neue k\u00fcnstlerisch-formale Strategien ergeben.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt des Nachdenkens bildet ein Werk, das sich auf das unmittelbare Umfeld in M\u00fcnster bezieht. In seinem Film <em>Ihr Alles, ihr Leben, ihr Blut<\/em> (2022) setzt sich <strong>Zauri Matikashvili<\/strong> mit den hochumstrittenen Krieger- und Kolonialdenkmalen in M\u00fcnster und dem Kampf um ihre Deutungshoheit auseinander. Einige Menschen k\u00e4mpfen vor Ort seit 35 Jahren gegen die Botschaften und die Sichtbarkeit der Monumente \u2013 lange ungeh\u00f6rt. Aus feministischer Perspektive geht <strong>Leila Orth<\/strong> in ihrer Installation der traditionellen Formensprache von Denkmalen nach und untersucht die Reproduktion der im \u00f6ffentlichen Raum zur Schau gestellten Geschichte. Sie befragt Formen von Machtdemonstration, thematisiert dabei Verletzlichkeiten von Individuen und Gesellschaft.<\/p>\n<p>Den Bestandsaufnahmen und Befragungen von Formen der Machtrepr\u00e4sentation, stehen mit den Werken von <strong>Joiri Minaya<\/strong> und <strong>Iv\u00e1n Argote<\/strong> Arbeiten gegen\u00fcber, die in bestehende Denkmale eingreifen, um sichtbar zu machen, wie diese durch einen r\u00e4umlichen und \u00e4sthetischen Apparat einen Treffpunkt politischer Macht darstellen. Joiri Minaya untersucht in ihren Werken die Identit\u00e4tskonstruktion von Individuen in transatlantischen R\u00e4umen und ihre Hierarchien. Ihr Schaffen begreift die K\u00fcnstlerin als eine Art der Selbstbehauptung, eine \u00dcbung des Verlernens, Dekolonisierung und als Austreiben aufgezwungener Narrative, Kulturen und Ideen. Sie unternimmt mit ihren Arbeiten Versuche, Machtverh\u00e4ltnisse zu sabotieren und eine individuelle Autonomie zur\u00fcckzugewinnen. Iv\u00e1n Argote spielt in seinen j\u00fcngeren Arbeiten mit der Idee des Denkmals, das von der Natur eingeholt wird; er spekuliert und reflektiert zum einen \u00fcber die Beseitigung und Zerst\u00f6rung von Denkm\u00e4lern und zum anderen \u00fcber andere Arten von Erinnerungspraxen, mit dem Verweis auf die sich stetig wandelnden und ver\u00e4ndernden kulturellen Werte und der Betrachtungsweisen, mit denen wir uns ihrer annehmen. Humor und Affekte sind f\u00fcr ihn subversive Instrumente zur Kritik an politischen und gesellschaftlichen Umst\u00e4nden in einer globalisierten Welt. Argote schafft mit seinen Werken Orte der Auseinandersetzung und des Dialogs.<\/p>\n<p>Die Idee des Dialogs ist ma\u00dfgeblich f\u00fcr das Projekt. Ankn\u00fcpfungspunkt der Ausstellung ist somit auch das ortsspezifische Werk Toleranz durch Dialog von <strong>Eduardo Chillida<\/strong>, das sich auf die in M\u00fcnster und Osnabr\u00fcck gef\u00fchrten Verhandlungen bezieht, die 1648 im Westf\u00e4lischen Frieden m\u00fcndeten. Das Verhandeln auf Augenh\u00f6he als grundlegendes Prinzip der Diplomatie stand der damals \u00fcblichen Niederlage durch Sieg und Unterwerfung gegen\u00fcber. Ebendies wurde vom K\u00fcnstler aufgegriffen und in eine abstrakte Form \u00fcbersetzt, was nicht bedeutet, dass Chillidas Skulptur den komplexen historischen Ereignissen durch eine verknappte Darstellung nicht gerecht w\u00fcrde; vielmehr hat er einen Ausgangspunkt geschaffen, um eine Art Forum zu kreieren, das einl\u00e4dt Platz zu nehmen und miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<\/p>\n<p><strong>Jenny Holzers<\/strong> <em>B\u00e4nke<\/em>, von denen zwei St\u00fcck nach den Skulptur Projekten 1987 in der Stadt verblieben sind, kommentieren das Kriegerdenkmal von Alexander Frerichmann aus dem Jahr 1923. Formal und inhaltlich nehmen die B\u00e4nke Bezug auf den Krieg; ohne Arm- und R\u00fcckenlehen erinnern sie an Sarkophage oder Grabmonumente. Gedenktafeln vergleichbar, befinden sich auf den Sitzfl\u00e4chen Inschriften, die n\u00fcchtern die Grausamkeiten des Krieges thematisieren: \u201ePEOPLE GO TO THE RIVER THERE IT IS LUSH AND MUDDY TO SHOOT CAPTIVES, TO FLOAT OR SINK THEM\u201d. Die Diskrepanz zwischen Holzers Phrasen und dem Tenor der Heldenverehrung und Trauer \u00fcber den verlorenen Ersten Weltkrieg wird offensichtlich.<\/p>\n<p>Mit Hilfe teils simpler Gesten, befragen die K\u00fcnstler:innen der Ausstellung die Autorit\u00e4ten der geschaffenen Bilder, wodurch nicht nur ein Blick auf die koloniale Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart gerichtet wird sowie auf das nach wie vor problematische Verh\u00e4ltnis zwischen Globalem Norden und Globalem S\u00fcden. <em>Off the Pedestals<\/em> bietet die M\u00f6glichkeit, sich mit gelebter Erinnerungskultur auseinanderzusetzen \u2013 wobei vermutlich mehr Fragen aufgeworfen als Antworten bereitgehalten werden.<\/p>\n<p><em>Kuratorin: Merle Radtke<\/em><br \/>\n<em>Kuratorische Assistenz: Jolanda Saal<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>Er\u00f6ffnung: 4.7.2023, 18:00 Uhr<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Auftakt einer programmatischen Auseinandersetzung mit dem \u00f6ffentlichen Raum bzw. 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