{"id":3221,"date":"2023-09-02T15:25:18","date_gmt":"2023-09-02T13:25:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tatwortimnetz.de\/Kunst\/?post_type=tribe_events&#038;p=3221"},"modified":"2023-09-02T15:26:15","modified_gmt":"2023-09-02T13:26:15","slug":"dominique-white-when-disaster-strikes","status":"publish","type":"tribe_events","link":"http:\/\/www.tatwortimnetz.de\/Kunst\/event\/dominique-white-when-disaster-strikes\/","title":{"rendered":"Dominique White: When Disaster Strikes"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>In der Begegnung mit den geisterhaften Skulpturen Dominique Whites stellt sich ein Gef\u00fchl ein \u2013 schwankend zwischen Schwere und Leichtigkeit wird Erinnerung kreiert, kann erfahren werden.<\/p>\n<p>Basierend auf ihren fundierten Recherchen befasst sich die K\u00fcnstlerin mit Schwarzsein in seinen konzeptionellen und materiellen Implikationen. Ihre Skulpturen fungieren als Materialisierung Schwarzen Lebens jenseits seiner subjektiven Grenzen, als Leuchtt\u00fcrme oder Gef\u00e4\u00dfe einer ignorierten Zivilisation, die als staatenlos definiert wird. Sie geht dem Fortbestehen dessen nach, was in uns und um uns herum materiell verschwunden ist. In ihren Werken verschr\u00e4nkt sie Theorien der Black Subjectivity, des Afro-Pessimismus und der Hydrarchie \u2013 die Struktur, durch die imperiale Regierungen ihre Macht an Land behaupten, indem sie die Ozeane beherrschen \u2013 mit den nautischen Mythen der Schwarzen Diaspora zu einem Begriff, den sie als \u201eShipwreck(ed)\u201c definiert, ein reflexives Verb und ein Zustand des Seins.<\/p>\n<p>Im Nirgendwo, das von den gespenstischen Ruinen Schwarzer Leben bewohnt wird, genauer gesagt im Abgrund des Atlantiks, existiert ein lebendiges Vokabular, das immer wieder fantastische Kreaturen, Mythen und Fiktionen hervorbringt, die aus der undenkbaren Vereinigung des ungeborenen Kindes der Versklavten und der Schiffbr\u00fcchigen hervorgehen. Die Skulpturen von Dominique White sind Manifestationen dieser bedeutungsvollen, wenn auch enteigneten \u00c4u\u00dferungen. In ihrem Werk greift sie verschiedene Legenden auf, die sich im Wasser abspielen und dort ihren Grund haben.<\/p>\n<p>Ihre Werke fungieren als abstrakte Gedenkskulpturen, die wirken, als seien sie dem Atlantik entnommen, Monumente einer Unterwassernation, die aus gesunkenen versklavten Menschen besteht. Viele Schwarze Zuk\u00fcnfte werden im Weltraum oder unter Wasser imaginiert. Whites Forschung ist inspiriert von den Kla\u0308ngen des Detroit Techno, wobei sie sich vor allem auf afrofuturistische Erza\u0308hlungen (im Raum, vor allem aber unter Wasser) bezieht, wie sie von DJ Stingray, Drexciya und Tygapaw geschildert werden. Ihre Recherchen gehen u\u0308ber das Greifbare hinaus: Sie ist neugierig auf die Zersto\u0308rung und den Mythos, den die Wirbelstu\u0308rme in der Karibik im Meer hinterlassen. Ihr visuelles Vokabular kombiniert die Nachahmung eines verlassenen Schiffes auf See mit zersto\u0308rten Segeln, maroden handgeflochtenen Netzen, verstu\u0308mmelten Ankern und zerschlissenen Bojen mit Bast und Kaurimuscheln, die wie in ein gespenstisches Leichentuch aus Kaolin gegossen sind und von diesem umhu\u0308llt werden. Auch Fischerei- und Walfangspeere, die vom Salzwasser langsam zersetzt wurden, sind wiederkehrende Elemente.<\/p>\n<p>White erweitert die Ikonografie des verwendeten Materials ebenso wie das Medium Skulptur als solches. Sie nutzt die kraftvolle Vereinigung der Materialien als Mittel, um die Motive von ihrer urspru\u0308nglichen Funktion zu lo\u0308sen und sie als Ko\u0308rper f\u00fcr den Protest sowie Widerstand neu zu definieren. Ihre Skulpturen beschreiben die Schiffswracks als Versuche, die Hydrarchie zu zerst\u00f6ren. Die Verletzlichkeit ihrer Skulpturen ist kompromisslos. Als zerbrechliche Gebilde balancieren die skulpturalen K\u00f6rper zwischen den Zust\u00e4nden der Erhaltung, des Verfalls und der Zerst\u00f6rung; Geister unter Geistern. Es ist eine aktive Ablehnung von Autorit\u00e4t und Ausl\u00f6schung und ein Protest gegen das Fortbestehen in einem System, das sich auf die Entmenschlichung und Instabilit\u00e4t von Schwarzsein st\u00fctzt. Sie verk\u00f6rpern die Ablehnung einer Zukunft, die auf der Gewalt des Kolonialismus fu\u00dft. Dominique Whites Skulpturen sind ein Spiel mit Erinnerung und Metamorphose. In ihren unvorhersehbaren Formen h\u00e4lt das Verschwundene im Rahmen ihrer ersten Einzelausstellung in einer deutschen Institution Einzug in die R\u00e4ume der Kunsthalle M\u00fcnster.<\/p>\n<p><u>Dominique White<\/u> (geb. 1993 in Gro\u00dfbritannien) ist Absolventin der Goldsmiths University of London und der Central Saint Martins. Zu ihren ju\u0308ngsten Ausstellungen geho\u0308ren <em>May you break free an outlove your enemy<\/em>, La Casa Encendida, Madrid (2023); <em>Statements<\/em>, Art Basel, Basel (2022); <em>Love<\/em>, Bold Tendencies, London (2022); <em>cinder oft he Wreck\/les cendres du naufrage<\/em>, Triangle France, Marseille (2022); <em>Techno Worlds<\/em>, produziert vom Goethe-Institut, Art Quarter Budapest (2021); <em>Poss\u00e9d\u00e9es<\/em>, MO.CO, Montpellier (2020\u201321); <em>Boundary + Gesture<\/em>, Wysing Arts Centre, Cambridge (2019). White wurde 2019 in Verbindung mit ihrer Einzelausstellung bei VEDA, Florenz (2019) mit dem Roger Pailhas Prize ausgezeichnet und erhielt 2020 Preise von Artangel und der Henry Moore Foundation. In den Jahren 2020 und 2021 war White zu Gast in Sagrada Mercanci\u0301a (Santiago, Chile), Triangle France \u2013 Aste\u0301rides (Marseille) und La Becque (La Tour-de-Peilz). White arbeitet nomadisch.<\/p>\n<\/div>\n<div>Er\u00f6ffnung: 8.12.2023, 18:00 Uhr<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Begegnung mit den geisterhaften Skulpturen Dominique Whites stellt sich ein Gef\u00fchl ein \u2013 schwankend zwischen Schwere und Leichtigkeit wird Erinnerung kreiert, kann erfahren werden. 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