Ich sag immer: Jeder so, wie er kann.
Zu meiner Schulzeit hatte ich, kurz bevor das Elend ein Ende nahm, Projektwochen. Wir sollten uns an einer Skulptur versuchen. Kunst machen.

„Jeder so, wie er kann“, sagte der Herr Kunstlehrer, der bei einem Timm Ulrich studiert hatten, was er auch allen erzählte, die es wissen oder nicht wissen wollten.
„Jeder so, wie er kann.“ Ich konnte im Park gegenüber Hansa-Dosen schießen, an guten Tagen auch Faxe-Dosen, war also schon damals eher in der Performance zu Hause.
Aber mein Kumpel Jochen, ja der, der legte sich richtig ins Zeug. Meißeln, hämmern, schlagen, schleifen, schaffen, schaffen, schaffen, schaffen. Aus einem Stück Marmor schuf Jochen etwas Abstraktes. Also ohne Gesicht. Aber mit Loch in der Mitte.




Und der Ex von dem Herrn Ulrich, seine Kolleginnen und der Herr Direktor waren begeistert, lobten den kreativen Kopf und das Ding ohne Gesicht, und der Herr Direktor stellte sich später den Marmor mit Loch sogar auf seinen Schreibtisch. Und Jochen machte ein super Abi.
Jedenfalls sah seine Kunst genauso aus wie das, was die Hepworth da machte. Dinge mit Loch. Dinge mit Loch und Faden.
Ich sag immer: Jeder so, wie er kann.
Und… neben dem Geschreibsel: Sie konnte das.