Es gibt wieder einen sehr guten Erklärtext zur Ausstellung. Den Text findet ihr hier.
Unter anderem schreibt Kuratorin Merle Radke: „Die Geschichten gehen aus Dialogen mit Vorfahren hervor, dekolonialen Lesarten und dem Konzept des dérive – einem absichtslosen Umherschweifen durch die Stadt als geformtem Raum.“
Wie großartig! Dérive! Da schlendert „man“ jahrelang absichtslos umher und auf einmal entdeckst Du: „Du bist nicht alleine. Dein bekifftes Rumgetrampel ist eine Kulturtechnik.“ Du bist, nein, ich bin elektrisiert.

Im deutschsprachigen Raum hat sich etwas später die Spaziergangswissenschaft entwickelt:
„Das Spazierengehen ist die ‚natürlichste‘ und einfachste Art, sich eine Landschaft oder eine Stadt zu erschließen. Allerdings spazieren wir heute nur noch selten durch die Welt; selbst wenn wir wandern wollen, steigen wir zunächst einmal ins Auto, das uns in den Wald oder auf den Berg bringt. Hochgeschwindigkeitszüge rücken Städte und Regionen näher zusammen, das Flugzeug bringt uns in wenigen Stunden zu fernen Kontinenten. Wir sind mobil wie nie zuvor, und das hat Folgen für unsere Wahrnehmung: Wir sehen die Welt im Schnelldurchlauf. Entsprechend unscharf sind die Bilder und Vorstellungen in unseren Köpfen.“
Manchmal schalten die Synapsen der Kunstguckenden anders als von den Produzierenden beabsichtigt.
Aber ob „ dérive“ oder Spaziergangswissenschaft, beim Umherschweifen die Lücken, erkennen, ist es nicht genau das? Das, was sonst runterfällt, nicht auffällt, wird beim Umherschweifen zum Stolperstein.