Das cuba im Bahnhofsviertel hat, nach eigener Aussage, eine lange Tradition mit ihren Ausstellungsreihen. Diese Tradition war aber, wie so vieles in den letzten zwei Jahren, kaum sichtbar. Eine größere Ausstellung sollte laut cuba-Mitarbeiter durch die Pandemie retten, doch schafften es der Lock Down, die Beschränkungen und irgendwann auch die Lustlosigkeit der Macher:innen diese „größere Sache“, also die Ausstellung (tinyart – Galerie) komplett unsichtbar für den Kunstgucker zu machen. Traurig, traurig.
Nun, Kotzen war gestern, heute schmausen wir wieder.
„Bitte nicht hamstern!“ stand auf einem der Scheine. Aber sie haben gehamstert! Es war eine Hamsterorgie. Ein Hamsterschlachtfest. Am Ende hingen die Scheinchen noch nicht einmal einen Tag. Oliver Breitensteins Ausstellung „Popbank“ im cuba war, so gesehen, ein voller Erfolg.
„Bitte langsam!“ Kurzfristig herrschte ein großer Ansturm auf die Ausstellung im cuba Foyer. Kunst und Geld eben. Man schlich sich herein, guckte, ob man nicht gesehen wird, verdeckte sein Gesicht, wie es nur ein Hallodri oder sein Seeräuber zu verdecken pflegt. Fremde brachten sich sogar Werkzeug mit, um die Scheinchen unbeschadet von der Wand zu bekommen (Es fragt sich, ob sie auch sonst so pfleglich mit der Kunst umgehen?). Freunde wurden erst gar nicht zu dieser Ausstellung eingeladen. Geld zerstört Freundschaften, sagt man, aber das war nicht der einzige Grund. Eine Eröffnung mit Freunden sollte es nicht geben, da nach der Eröffnung nichts mehr zu sehen und zu holen gewesen wäre. Man kennt doch die sogenannten Freude. Ein bisschen Ausstellung hätte der Künstler sich schon gewünscht. Wenigstens bis die Presse da war. Aber…ne.
Aber mal kurz von vorne: Oliver Breitenstein klebt seit geraumer Zeit Geldscheine, draußen auf der Straße, in den Außenraum, in den Öffentlichen Raum, wenn es den noch gibt.
Also: Herr Breitenstein klebt Scheinchen, bestückt das Wertpapier mit Sinnsprüchen, Kapitalismuskritik, sozialistischen Grüßen, freundlichen Worten oder Ansammlungen aus der Popwelt.
Warum er das macht? Ja, warum machen wir Dinge? Langeweile? Übersprungshandlungen? Überlebenstrieb oder für das Soziale Miteinander. Oder weil wir dem anderen etwas damit sagen wollen. Breitenstein will was sagen. Geld ist scheiße? Verschenkt es? Ja, auch. Natürlich. Vor allem will er aber zum Nachdenken mit der künstlerischen Intervention anregen.
Auch wenn seine Botschaft anders aufgenommen wird, sie kommt an. Auf Instagram genießt sein Account @games_of_cash viele Abonnenten. Täglich postet er neue Fotos von, in der Stadt wild geklebten Scheinchen. Wenn sie jemand findet (was er sich wünscht), sollen die ehrlichen Finder_innen sich was Schönes davon kaufen und gerne ein Foto von der Abknibbelei machen und ihm zu schicken. Das ist dem Künstler sein Glück.
Kunst = Kapital. Fast nirgends wird mehr und augenscheinlich sinnloser mit Geld um sich geschmissen, nirgends wird weniger Geld verdient.
Kunst = Kapital. Duchamp hat seinen Zahnarzt mit einem selbstgestalteten Scheck bezahlt, Warhol hat einen Dollar berühmt versiebdruckt und Beuys hat (Achtung Ähnlichkeit) einen 10 Mark Schein handsigniert und beschriftet („Kunst = Kapital“, schrieb er. „Ach so ist das, Herr Beuys“, loben wir). Breitenstein ist also in guter Gesellschaft. Aber auch wenn sich viele dem Scheinchen zuwandten, mit so einer Konsequenz Geld zu vernichten, zu verschenken, zu verkritzeln, dass kannte ich noch nicht.
Und somit schreibt der Verfasser dieser Zeilen zur Popbank und zur Breitensteinschen Kunst auch nur noch: Geil. Nicht nur der Geiz auch die Kunst. Aber jetzt ist Schluss mit dem Geschreibe. weil ich los muss. Zeit ist Geld.
Über zwei Etagen verteilt, schmücken derzeit bunte Kunstdrucke die grauen Wände des Picasso Museums. Bei den Drucken handelt es sich überwiegend um Siebdrucke und Lithografien Andy Warhols. Thematisch ist die Ausstellung – all about pop. Neben stilistischen Auftragswerken für Großkonzernen, liegt der Schwerpunkt nämlich auf Abbildungen von bekannten Gesichtern der (damaligen) Popkultur, wie Marilyn Monroe, Liz Taylor oder auch Mao Zedong und Lenin.
Deutlich wird die Beziehung zwischen Warhol und der kommerziellen Kunst. Es wird kein großes Geheimnis darum gemacht, dass Andy Warhol gegenüber dem Kapitalismus ziemlich positiv eingestellt war und seine Werke ausdrücklich kommerzieller, statt bildender Kunst einzuordnen sind.
Generell sind die Werke an sich recht ansehnlich,bunt und vor allem eben –pop. Die Atmosphäre am Ausstellungsort war jedoch das genaue Gegenteil. Es war, wie im Picasso Museum üblich, Ruhig, es wurde geflüstert und die Stimmung war sehr bedrückt. Der Ausstellung fehlte es eindeutig an der Jugend und Lebhaftigkeit, welche in Warhols Werken zu finden ist. Der exzentrische, für seine Partys bekannte Andy Warhol hätte sich wahrscheinlich selbst in dieser Ausstellung nicht wohlgefühlt. Große Fans der Pop-Art und des Kunstdrucks mögen eventuell darüber hinweg sehen. Außerdem sind auch einige Klassiker Warhols, wie die Campbell-Suppendose, vertreten was den Besuch der Ausstellung wieder rechtfertigt. Wer aber den bohèmischen Flair der Factoryjahre der Sechziger einfangen will, kommt hier definitiv zu kurz.
ANDY WARHOL
Eine Ausstellung des Kunst Museum Pablo Picasso Münster
Seit fünfzehn Jahren gibt es lokale Kunst in der Soester Straße 66 zu sehen. Hier ist Münsters Produzentengalerie SO-66, die sich 2007 nach Straße (Soester Straße) und Hausnummer (66) benannt hat, damit sich die Kunstinteressierten bei der Suche nach der Kunst nicht verlaufen (Kunst ist heute schwer zu entdecken. Nachher steht man vor einem Frisör und hat den Salon HA-ART mal wieder mit einem Museum oder einem gelungenen Off-Space verwechselt).
Nora Klein beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Krankheit Depression. Mehr als eineinhalb Jahre stand sie in engem, vertrauensvollem Austausch mit depressionserfahrenen Menschen. Gemeinsam mit ihnen hat sie, jenseits von Worten, eine visuelle Ausdrucksform für die Gefühlswelt gefunden. Die Portraits und abstrakten Bildwelten machen eine unsichtbare Krankheit sichtbar.
Was passiert gegenwärtig an unserer Akademie? Zum achtunddreißigsten Mal laden die Freunde der Kunstakademie Münster zur Förderpreisausstellung. Neben flotten Geldpreisen, einer Rede und viel Sekt ist auch eine Menge Interessantes in der Kunsthalle zu entdecken.
Bis 29. Mai: 38. Förderpreisausstellung der Freunde der Kunstakademie Münster *** 5.4-29.5.2022 *** Dreizehn Kunstakademie-Klassen *** Dreizehn Positionen/ Vierzehn Künstler*innen *** Malereien, Skulpturen, Zeichnungen, Installationen und Videos *** Drei Juror*innen *** Drei Preisträger*innen (Simon Mehling, Robin Neumann, Johanna Thoss) ***
Sara Sadik (*1994/ Frankreich)***„Ultimate Vatos: Force & Honneur”*** Westfälischer Kunstverein bis 6. Juni*** Videoinstallation*** Computerspiel-Optik*** Grand Theft Auto V *** Held*innen & Anti-Held*innen: „Beurcore“ – Die Jugendkultur der maghrebinischen Diaspora in Frankreich *** Künstlerische Erforschung postmigrantische Gesellschaft Frankreichs *** Look at this: Musik.Sprache.Mode. Soziale Medien**** Soziale Zwängen und Erwartungen an junge Erwachsene *** Männlichkeit?! *** Zwischen „Hunger Games“ und „voyeuristischen Survival-Training“ *** ***
Anni Buschkötter? Nie gehört? Da sind Sie wohl nicht der Einzige. Dabei hat Anni Buschkötter sogar ein eigenes Straßenschild und da ist eigentlich nicht leicht ranzukommen, also an so ein Straßenschild. Gut, es ist keine große Straße, eher ein Weg, ein Weg-chen, aber immerhin.
Also: WTF happened to Anni Buschkötter? Und warum hat sie ein Straßenschild bekommen und wo überhaupt?
Seit 2008 bietet das Team des FAK (Förderverein Aktuelle Kunst, Fresnostraße 8, Münster) jungen Künstler*innen und Kulturwissenschaftler*innen die Möglichkeit sich als Kurator*innen auszutoben, Erfahrungen in der Ausstellungsorganisation zu sammeln.
In diesem Jahr heißen die beiden Glücklichen (nehmen wir mal an, es macht glücklich) Kristina Jurotschkin und Florian Glaubitz. Beide haben u.a. an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig studiert und scheinen, wenn man ihre Onlineauftritte besucht, vor allem fotografisch unterwegs zu sein. Kein Wunder also, dass auch ihre Auswahl der Künstler*innen vor allem Leipziger Kennzeichen trägt und ebenfalls Fotografie als künstlerische Praxis bevorzugt.