Wie faszinieren uns “Unerhörte Orte”?

Das HörSpielLab Münster entdeckt in diesem Jahr mit Euch “Unerhörte Orte”. Ihr könnt euch hier bewerben, um an einem intensiven Workshopwochenende ganz viel über Hörspiel zu erfahren und mit Anderen Hörspiele zu erstellen.

Doch: Was sind unerhörte Orte? Was ist ein Mini-Hörspiel? Was erwartet euch beim HörSpielLab 2024?

Über all das sprechen Mirijam Streibl und Paul Sattler vom HörSpielLab Münster. So schildern sie ihre Faszination sich mit diesen vielen “Unerhörten Orten” zu beschäftigen und wie das Format den Mini-Hörspiel dazu einladen kann, sich mit eben diesen Orten auseinanderzusetzen.

Jeder Ort in Münster erzählt seine eigene Geschichte. Die von Freuden des Wiedersehens am Bahnhof, die des Klimawandels in Mooren, die von Kinderabendteuern auf einem Spielplatz  und die von schlimmen Verbrechen im Nationalsozialismus.

Auf die Suche nach den vielseitigen Geschichten dieser “Unerhörten Orte” gehen die Beiden aber nicht alleine, sondern suchen die Unterstützung engagierter und kreativer Menschen, gleich welcher Profession. Ob von der Wissenschaft, der Literatur oder dem Aktivismus – egal, welche Perspektive Ihr auf “Unerhörte Orte” habt, bewerbt Euch hier beim HörSpielLab Münster 2024 und geht mit auf akustische Entdeckungstour.

Anmeldephase HörSpielLab 2024 hat begonnen

Das HörSpielLab Münster entdeckt in diesem Jahr mit Euch “Unerhörte Orte”. Ob Wissensvermittlung, Geschichten erzählen oder Klangcollage, alles dreht sich um unerhörte Orte hier in Münster und dem Format Mini-Hörspiel.

Wir vergeben kostenlose Plätze an Menschen, die sich mit Audioproduktion und Orten in Münster beschäftigen wollen. Alle, egal ob Profis oder Laien, sind eingeladen, gemeinsam an einem intensiven Wochenende Mini-Hörspiele zu erstellen und so Sprachrohr für Orte in Münster zu sein.

Bewirb dich bis zum 23. Mai und sichere Dir einen Platz.

Wir bieten: 

  • ein intensives Workshop-Wochenende 28./29./30. Juni 2024 rund um Audio-Arbeit
  • tolle Profis begleiten Dich von der Idee zum fertigen Mini-Hörspiel
  • enge Begleitung bei all deinen Fragen rund um Audio, Hörspiel und die Technik dahinter 
  • gute Arbeitsatmosphäre mit Menschen, die sich kreativ mit Hörspiel beschäftigen wollen
  • technische Equipment
  • Erkundung spannender Ort in Münster
  • einen Raum für kreatives Schaffen
  • fachliche Impulse im Bereich Audio
  • Präsentation Deiner Arbeit im öffentlichen Raum (freiwillig)
  • leckeres Essen

Bewirb Dich jetzt! Wir haben 16 Plätze frei!*
Bewerbungsschluss ist der 23. Mai 2024

* dieses Jahr Bewerbung statt First-Come-First Serve

Wie viel Zeit musst Du mitbringen?

Für diese drei Termine verpflichtest Du Dich:

  1. Ein Tag im Mai/Juni für Einführung (Terminvereinbarung nach Absprache)
  2. Letztes Juni Wochenende für Arbeits- und Produktionswochenende. Wir starten Freitag abends und enden Sonntag nach dem Mittagessen.
  3. Ein Tag im August für den „Nachklapp“ (Terminvereinbarung nach Absprache)

Das heißt: ihr lernt, macht und teilt.

Wir unterstützen Euch dabei ein Mini-Hörspiel zu erstellen. Wer mag kann seine Arbeit einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Im September heißt es „Hörspiel auf Wanderschaft“ und viele spannende Mini-Hörspiele werden an verschiedenen öffentlichen Orten in Münster zum nachhören präsentiert werden. Das heißt: ihr lernt, macht und teilt.

Du bist unsicher?

Wenn Du drei der folgenden Fragen mit einem JA beantworten kannst, dann bist Du bei uns richtig.

  • Du möchtest Dich mit einem Ort in Münster kreativ auseinandersetzen?
  • Du möchtest Geschichten entwickeln, Orte erkunden oder mit Audio experimentieren?
  • Willst Du neues Lernen für Dich und/oder Deine Community oder Beruf?
  • Du bist älter als 18 Jahre?
  • Du magst es Neues zu lernen?
  • Du findest Audio spannend?
  • Du hast Lust Deine Kreativität zu erproben?
  • Geschichten für Audio zu erfinden ist was besonderes?
  • Du hast Lust intensiv an einem Wochenende zu arbeiten?
  • Es fällt Dir ein besonderes Ort in Münster ein, der vielleicht sogar „unerhört“ ist?
  • Austausch mit anderen Hör-Begeisterten tut gut?
  • Du erkundest gern spannende Orte der Stadt?

Wenn ihr Euch unsicher seid oder noch Fragen habt, meldet Euch bei uns!
Mail an: info@hoerspiel-muenster.de

Live-Hörspiel-Show und Gespräch: Was ist die Liebe zum Live-Hörspiel?

Den Schauspielern beim Spielen zuschauen oder sehen, wie Musik und Ton entstehen. Sprich dem Hörspiel in all seinen Facetten beim Entstehen zuschauen. All das wird möglich bei der Live-Hörspiel-Show am 07.02. in der Black Box im Cuba Cultur. Das HörSpielLab Münster feiert das Hörspiel als Medium, das mit dem Radio zusammen aktuell auf seinen 100. Geburtstag zusteuert. Wird die Welt auch immer visueller, schafft es das Hörspiel doch nach wie vor direkt in unsere Ohren einzudringen und regt die Fantasie an. Als einer der wenigen Sinne kann das Hören nicht einfach abgeschaltet werden und ist somit ein permanenter direkter Zugang zu unseren Gedanken. 

Doch egal ob man vor dem Kassettenspieler oder dem Tablet sitzt, wie das Hörspiel gemacht wurde, bekommt man selten zu Gesicht. Regisseurin Ruth Messing und Christoph Tiemann vom Theater ex libris lassen vor unseren Augen und Ohren kurze Ausschnitte aus Live-Hörspielen entstehen, machen den Prozess sichtbar und sprechen über ihre Liebe zum Live-Hörspiel.

Am 07.02. 19 Uhr in der Black Box im Cuba Cultur. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung sollte ursprünglich im Dezember stattfinden und musste aufgrund von Krankheit verschoben werden.

Ralf Haarmann mit erstem HörSpielPreis Münster geehrt

Das HörSpielLab Münster hat seinen ersten HörSpielPreis vergeben. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Litfilms – Literaturfilmfestival statt und die Jury bestehend aus Anja Kreysing, Dean Ruddock und Ruth Messing kürte den in Münster und Berlin lebende Künstler Ralf Haarmann zum Gewinner dieses ersten HörSpielPreis Münster. In seinem Hörspiel „Urbanes Narrativ: Das Geheimversteck“ nehmen zwei Kinder die Hörenden mit an unbekannte Orte und führen sie in Gedanken auch an die Verstecke der eigenen Kindheit. 

“Es scheint, als reisten wir in die Fantasiewelt der Kinder. Die Komplizenschaft, die daraus entsteht, macht das Erleben dieses Hörspiels zu einer ganz persönlichen Erfahrung an einem sehr geheimen Ort.” So schreibt es die Jury des HörSpielPreis in ihrer Begründung. 

Neben „Urbanes Narrativ: Das Geheimversteck“ von Ralf Haarmann wurden noch zwei weitere Hörspiele mit einer lobenden Erwähnung bedacht. “Minespiel” vom Hörspiellabel Klappkatapult und „Über das Sterben – mit Werner Herzog“ von Anna-Lea Weiand.

Der HörSpielPreis sollte vor allem den kreativen Umgang mit dem Medium Hörspiel belohnen. Dies ist bei diesen drei honorierten Hörspielen besonders gut sichtbar und zeigt, wie kreativ die Hörspiellandschaft in Münster ist. Aber allein die Vielzahl an Einreihungen zeigt, was in Münster in Sachen HörSpiel los ist.

Die Jury-Begründung im Einzelnen

In „Urbanes Narrativ: Das Geheimversteck“ nehmen uns Jonte und Anton mit auf eine spannende Reise an einen geheimen Ort: Das Geheimversteck.

Die Klarheit dieser Ausgangssituation schafft etwas Erstaunliches: Wir Zuhörende werden direkt angesprochen und sind eingeladen, den Stimmen der beiden Kinder an einen besonderen, unbekannten Ort zu folgen. Wir gehen – erinnert an die eigenen Verstecke von damals und neugierig auf die kommenden Erlebnisse – gespannt und freudig mit. 

Die reiche Klangkulisse, die nie vorgibt, sondern immer auf die Protagonisten reagiert, versetzt uns mal in eine sehr konkrete, realistische Umgebung, mal in ein fantastisches, wundersames, fast rätselhaftes Umfeld. Es scheint, als reisten wir in die Fantasiewelt der Kinder. Dies regt wiederum die eigene Vorstellungskraft an: Die Komplizenschaft, die daraus entsteht, macht das Erleben dieses Hörspiels zu einer ganz persönlichen Erfahrung an einem sehr geheimen Ort. 

Die Jury des HörSpielPreis (Dean Ruddock, Anja Kreysing, und Ruth Messing v.l.n.r.) mit Preisträger Ralf Haarmann (r.)

Ralf Haarmann schafft es in diesem authentischem Hörspiel auf bestechende Weise völlig undidaktisch Fragen aufzuwerfen: Welche Räume gibt es für Kinder in unserer Stadt? Wo finden sie ihre Verstecke und geheimen Orte?

Ausschnitt aus dem Hörspiel „Urbanes Narrativ: Das Geheimversteck“

„Über das Sterben mit Werner Herzog“ kommt durch die Verwendung des „recyceltes“ Interviews mit Werner Herzog wie ein akustisches Readymade daher.

Es hat nicht die typischen Merkmale eines Hörspiels, verfolgt keine klare Story oder Dramaturgie. Stattdessen lenken neue Fragen die Antworten Herzogs aus einem unbekannt bleibenden Interview sanft  in neue, metaphysische Sphären, die sich mit dem Titel verbinden. Herzogs monologisierende Statements beginnen durch diese Rekontextualisierung zwischen einer Entlarvung der postromantischen Überhöhung des Schöpfer-Mann-Bildes der Moderne und authentischer biographischer Erfahrungen zu oszillieren. 

Regisseurin Anna-Lea Weiand

So lässt sich „Über das Sterben“ im Sinne eines erweiterten Hörspielbegriffes analog zum erweiterten Kunstbegriff in die aktuellen skizzenhaften, dekonstruktivistisch-rekontextualisierenden Tendenzen aktueller Kunst einordnen, ohne jedoch klar als Hörspiel oder Klangkunst einzuordnen zu sein.  Diesen frischen Zugriff möchten wir prämieren und Anna-Lea Weiand damit zu weiterer Entwicklung und vertiefter Ausarbeitung hybrider Hörstückformen anregen. 

Ausschnitt aus „Über das Sterben mit Werner Herzog“

Bei “Minenspiel” werden wir vom Hörspiellable „Klappkatapult“ im Found-Footage-Stil durch die Minen der Rheinkohle GmbH geführt.  Hier sind zwei Forscherinnen verschüttet worden und sollen unter größter Anspannung aller Beteiligten gerettet werden – doch da ist etwas… oder bilden wir uns das alle nur ein?

In einem Mix aus Radiobericht und Found Footage bekommen wir die Geschehnisse in der Miene mit. Die Berichterstattung ist dabei reißerisch, unmittelbar und durchgehend auditiv gedacht. Dies erinnert an den Hörspiel-Klassiker Krieg der Welten oder auch an den Horrorfilm The Blair Witch Project – in beiden Fällen wird das technische Rohe zum Beleg für Authentizität – so sehr, dass die Jury beim Hören unabhängig voneinander dazu verleitet wurde nachzuschlagen, was dran ist an dem Minenunglück von 1994:

Nichts, aber die vielen technischen Details im Text wirken gut recherchiert, die Geräusche erzeugen eine hörbare Enge und das Ergebnis ist eine glaubwürdige Atmosphäre, die gelegentlichen Längen und die Auflösung vergessen lässt.

Uns begeisterte die spielerische und liebevolle Arbeitsweise, mit welcher der Text improvisiert wurde: In einer Art online Pen & Paper Rollenspiel. Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen.Es macht Spaß, diese Geschichte zu hören und wir wünschen uns mehr davon.